Rohre anpassen mit
Dr. Christin Schillinger
Professorin für Fagott am Ithaca College
Die Zeitschrift der International Double Reed Society bezeichnete die Fagottistin Christin Schillinger als „Solistin, Lehrerin und Naturgewalt“. Sie hat sich darauf spezialisiert, die Avantgarde einem breiten Publikum näherzubringen und dabei sowohl die Begeisterung für neue Musik als auch für das Fagott zu fördern. Der American Record Guide beschreibt ihr Spiel als „voller Leben und Inspiration“. Ihre Soloalben Bassoon Unbounded (2018), Bassoon Transcended (2013) und Bassoon Surrounded (2009) präsentieren Weltpremieren zeitgenössischer Werke. Komponisten, mit denen sie zusammenarbeitet, loben ihre „natürliche Interpretation“ und ihre „perfekten musikalischen Entscheidungen“.
Als engagierte Pädagogin veröffentlichte Schillinger 2016 das Buch Bassoon Reed Making (Indiana University Press). Derzeit lehrt sie am Ithaca College, dem Sitz der Ithaca Bassooniversity. Zuvor war Schillinger an der Miami University, der University of Nevada und in verschiedenen Orchestern in den Vereinigten Staaten tätig.
Einleitung
Das Fagott singt mit der Stimme eines Engels, hat aber das Temperament eines Grizzlybären, nicht zuletzt dank seines Krachmachers: des Rohrs. Je besser unser Krachmacher, desto besser unser Krach.
Ganz gleich, ob Sie Ihr eigene Rohre von Stangen aus bauen oder fertige Rohre von einem Rohrbauer kaufen: Ein Arsenal an Strategien zur Anpassung hilft Ihnen dabei, Ihre Rohre individuell auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen. Dieser Artikel gibt Ihnen einige Leitlinien für eine erfolgreiche Anpassung.
Die folgenden Anpassungsverfahren setzen voraus, dass Sie ein fertiges und dicht schließendes Rohr haben.
Visuelle Beurteilung
Die Spitze
Die ideale Spitzenöffnung ist individuell und hängt von der Rohrkonstruktion, dem Luftdruck und den Anforderungen beim Spielen ab. Die folgenden Anpassungen sollen Ihnen helfen, verschiedene Abweichungen vom Ideal zu erkennen und zu beheben.
Wenn die Spitzenöffnung zu weit ist, flachen Sie die erste Zwinge ab, um die Öffnung auf ein besser kontrollierbares Maß zu reduzieren.
Wenn die Spitzenöffnung zu eng ist, runden Sie die erste Zwinge ab, um die Spitze zu öffnen und mehr Luft durch das Rohr fließen zu lassen.
Wenn die Spitzenöffnung zu ungleichmäßig ist, überprüfen Sie die Seiten und Kanäle auf Ausgewogenheit und schaben Sie anschließend nach Bedarf, bis die Öffnung symmetrisch ist.
Wenn eines der Blätter rund und das andere flach ist, entsorgen Sie das Rohr.
Das Rohr
Ebenso sollte der Schaft der Rohre auf verschiedene Mängel überprüft werden, um die bestmöglichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Ergebnis zu schaffen.
Überprüfen Sie zunächst, ob sich alle Drähte an den richtigen Positionen befinden. Falls nicht, verschieben Sie sie entsprechend.
Wenn die Drähte locker sind, ziehen Sie sie so fest, dass sie eng am Rohr anliegen, ohne es abzuschnüren. Sollte der Schaft verformt sein, entsorgen Sie das Rohr.
Schauen Sie in das Rohr hinein. Wenn sich Verunreinigungen im Rohr befinden (herausstehende Fasern oder Splitter), verwenden Sie eine Rundfeile, um diese im Inneren der Hülse zu entfernen, da sie einen unerwünschten Widerstand verursachen.
Ist die Schulter gerade, sauber und klar definiert? Falls nicht, verwenden Sie eine Rasierklinge und definieren Sie die Schulter vorsichtig neu.
Das Krähen
Das "Krähen" ist die beste Möglichkeit, ein Rohr klanglich zu beurteilen, bevor es auf das Fagott gesetzt wird. Verwenden Sie dafür den üblichen Fagottansatz und blasen Sie das Rohr mit einer mittleren Lautstärke von mp bis mf an. Der ideale „Kräh“-Ton ist klar ausgeprägt und charaktervoll. Wie er klingt, hängt von der Bauweise des Rohrs und den individuellen musikalischen Anforderungen ab. Wenn Sie mit dem „Krähen“ vertraut sind, können Sie geeignete Rohre gezielt auswählen und Anpassungen vornehmen, ohne das Fagott zur Hand nehmen zu müssen.
Halten Sie nach jeder Anpassung kurz inne und „krähen“ Sie das Rohr erneut, um das Ergebnis zu beurteilen, bevor Sie weitere Veränderungen vornehmen. Gehen Sie beim Ausdünnen des Rohrs mit kleinen, behutsamen Bewegungen vor. Stellen Sie sich dabei vor, dass Sie die Übergänge „verblenden“, anstatt das Rohr einfach gleichmäßig dünner zu machen.
| Problem | Lösung |
|---|---|
| Zu leicht ansprechend | Drähte abrunden Drähte festziehen Den hinteren Bereich der Kanäle dünner schaben |
| Schwer ansprechend | Drähte abflachen Die Spitze dünner schaben Den vorderen Bereich der Kanäle dünner schaben Den hinteren Bereich des Rohrs dünner schaben |
| Wild und unberechenbar | Sicherstellen, dass die Verjüngung der Seitenkanten von hinten nach vorne gleichmäßig ist Das vordere Drittel der Seiten dünner schaben |
Grundlegende Töne
Spielen Sie eine zwei-Oktaven umfassende F-Dur-Tonleiter, gebunden aufwärts und artikuliert abwärts. Danach dasselbe mit eine Tonleiter in allen Oktaven. Beurteilen Sie das Rohr mit besonderem Augenmerk auf eine gleichmäßige und stabile Ansprache in allen Registern.
Ansprache
| Problem Register | Lösung |
|---|---|
| Gesamt | Anpassungen für die Kräh-Ansprache wiederholen |
| Tiefes Register* | Den hinteren Bereich der Kanäle ausdünnen |
| Mittleres/Tenorregister | Das Herz und/oder die entsprechenden Kanäle ausdünnen |
| Hohes Register* | Die Drähte festziehen Die Schienen ausdünnen |
*Die tiefsten und höchsten Register des Fagotts verhalten sich umgekehrt proportional. Was dem einen hilft, beeinträchtigt das andere. Viele Spieler fertigen 1.-Fagott- und 2.-Fagott-Rohre an, um diesem Problem entgegenzuwirken.
Problemtöne
| Problemtöne | Lösung |
|---|---|
| Mittleres E und offenes F sind zu tief | Die Spitze in kleinen, haarfeinen Abschnitten kürzen und zwischen den Schnitten jeweils erneut testen |
| Mittleres E und offenes F sind zu hoch | Wenn diese Töne beim kräftigen Spielen zu hoch sind, die äußerste Spitze dünner schaben. |
| Mittleres Cis ist zu tief | Den Ausreißer verwenden und die Hülse geringfügig öffnen. |
Fortgeschrittene Intonation
Sobald ein Rohr gut anspricht und eingespielt ist, verwenden Sie die folgenden Tests, die auf Mark Eubanks’ „Quick Guide to Bassoon Reed Tuning“ basieren, um das Rohr zu stabilisieren und auf Ihre Kombination aus Instrument und Setup einzustimmen.
Sie sollten diese Anpassungen, ebenso wie alle anderen, regelmäßig überprüfen, da sich die Eigenschaften eines Rohrs durch klimatische Veränderungen abrupt verändern können.
Zentrierung des tiefen/mittleren Registers
Verwenden Sie die für einen As-B-Triller gezeigte Trillergriffweise und trillern Sie mit dem grünen Tonloch. Achten Sie auf einen klaren Klang.
Wenn der Klang instabil ist, schaben Sie an den „Ohren“ des Rohrs.
Zentrierung des tiefen Registers
Artikulieren und spielen Sie die tiefsten Töne des Fagotts, vom tiefen F abwärts bis zum B.
| Problem | Lösung |
|---|---|
| Töne sind zu hoch | Die Drähte abflachen Den Kragen säubern Den hinteren Bereich der Kanäle schaben Den hinteren Bereich der Mittelrippe schaben |
| Töne sind zu tief | Die Drähte abrunden Die Drähte festziehen |
Zentrierung des Tenorregisters
Wechseln Sie bei den folgenden Tönen zwischen dem normalen Griff und dem Flageolettgriff und achten Sie auf die Tonhöhe.
Wenn die Tonhöhe des Flageoletts zu hoch ist, schaben Sie an der entsprechenden Stelle im Kanal.
Wenn die Tonhöhe des Flageoletts zu tief ist, schaben Sie an der entsprechenden Stelle auf den Schienen.
Mit diesen einfachen Anpassungen können Sie den Grizzly zähmen und Ihre eigene Stimme finden. Notieren Sie sich die Anpassungen, die Sie am häufigsten vornehmen. Sie können Ihnen beim Anfertigen Ihrer Rohre als Orientierung dienen, sodass Sie die Konstruktion gezielt an Ihre Bedürfnisse anpassen können. Auch Sie können Ihren Rohren vertrauen!
24.09.2026
Interview Fagott Tipps-und-Tricks
