Fagottholz vor dem Spalten bewerten
Rohrholz ist selten vollkommen symmetrisch. Deshalb lohnt es sich, vor dem Spalten der Stange einen Moment innezuhalten und das Holz sorgfältig zu prüfen. Durch diese Vorab-Begutachtung schaffen wir von Anfang an die besten Voraussetzungen für ein optimales Ergebnis beim Rohrbau.
Es gibt verschiedene Kriterien, anhand derer Sie das Holz beurteilen können. In diesem Artikel geben wir Ihnen hilfreiche Tipps und Tricks, um die beste Auswahl zu treffen.
Farbe
Die Farbe des Holzes sollte ein leichtes Goldbraun aufweisen. Holz mit grünlichen Tönen wurde entweder zu früh geerntet oder nicht lange genug gelagert. Solches Holz ist in der Regel sehr weich und eignet sich daher kaum für hochwertige Rohre, da es nicht optimal schwingen wird.
Oberfläche und Maserung
Führen Sie Ihren Daumen entgegen der Faserrichtung auf der Außenseite des Rohrholzes entlang. Idealerweise fühlt sich die Oberfläche dabei perfekt glatt an. Da Holz ein Naturprodukt ist, treten jedoch fast immer leichte Unebenheiten auf. Bleibt Ihr Fingernagel häufig an tieferen Stellen der Maserung hängen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich aus dieser Stange hochwertige Rohre fertigen lassen. Bei weitgehend glatten Oberfläche hingegen, steigen die Chancen damit ein gutes Rohre fertigen zu können.
Form
Betrachten Sie die Schnittflächen des Rohrholzes, um zu beurteilen, wie rund oder oval die Stange geformt ist. Dies ist entscheidend, um die Stange optimal auf dem Holzteiler zu platzieren.
Bei ovalen oder eiförmigen Stangen sollten Sie besonders darauf achten, die Position so zu wählen, dass möglichst viele nutzbare Segmente entstehen.
Jedes Segment sollte in sich möglichst symmetrisch sein. Gehen Sie daher beim Auflegen der Stange auf die Klingen des Holzteilers besonders sorgfältig vor.
Das Spalten des Holzes quer zur Ovalform mag zunächst kontraintuitiv erscheinen. Betrachtet man jedoch die entstandenen Spaltstücke, erkennt man, dass diese in sich symmetrisch sind. Genau das ist unser Ziel, selbst wenn dadurch Stücke mit unterschiedlichem Durchmesser entstehen.
Ein Schnitt entlang der Ovalform würde vier ähnlich große Stücke ergeben, die jedoch jeweils in sich asymmetrisch sind. Da Holz dazu neigt, seine ursprüngliche Form weitgehend beizubehalten, wäre zu erwarten, dass die Spitzenöffnungen bei der Verwendung dieser Stücke stark asymmetrisch ausfallen.
Durchmesser
Sobald das Holz in symmetrische Stücke gespalten ist, empfehlen wir, den Durchmesser der einzelnen Stücke zu überprüfen. Ein Stück mit größerem Durchmesser ergibt eine natürlich geschlossenere Öffnung an der Spitze, während ein Stück mit kleinerem Durchmesser von Natur aus offener sein wird.
Am wichtigsten ist, dass die Stücke in sich symmetrisch sind, da asymmetrische Teile zu ungleichmäßigen Spitzenöffnungen führen können und zudem ungenaue Durchmesserangaben zur Folge haben.
Während einige Fagottisten es vorziehen, Holz allein anhand des Durchmessers zu sortieren, empfehlen wir, diesen Wert als eines von mehreren Kriterien für die Bewertung des Holzes heranzuziehen.
Der Durchmeser jedes einzelnen Stücks kann mit Hilfe einer Durchmesserlehre gemessen werden. Hier legen Sie das Holz in eine Öffnung und prüfen, mit welcher Öffnung es am besten übereinstimmt, um den ungefähren Durchmesser zu finden.
Deutlich schneller und mehr akkurat ist das Abmessen mit eine Radiusmessuhr, welches mit und ohne Ständer erhältlich ist. Halten Sie das Holz einfach an den Block und die Uhr zeigt Ihnen den Durchmesser des Holzstücks an.
Reinlichkeit
Lässt die Form des Rohrholzes keine eindeutige Entscheidung zu, hilft uns als nächstes Kriterium die Beschaffenheit der Holzoberfläche bei der Beurteilung.
Gesucht werden Bereiche, die möglichst sauber und ohne jegliche Maserung sind.
Nicht alle Holzstangen werden solche perfekte Bereiche aufweisen, minimale Maserungen sind daher ebenso akzeptabel.
Holz mit starker Maserung eignet sich in der Regel nicht für hochwertige Rohre. Achten Sie darauf, dass es sich nicht um oberflächlichen Schmutz handelt, der leicht entfernt werden kann.
Hintergrund:
Hinter diesen Maserungen ist die Rinde oft dicker. Dies kann nach dem Außenhobeln zu Problemen führen, falls Reste der Rinde auf der Bahn des Rohrs zurückbleiben.
Platzieren Sie die Holzstange so, dass beim Spalten möglichst viele hochwertige Segmente entstehen. Dabei gilt:
- Legen Sie das sauberste Segment zwischen zwei Klingen, damit es vollständig erhalten bleibt und weiterverwendet werden kann
- Legen Sie das am wenigsten saubere Segment ebenfalls zwischen zwei Klingen, um es gezielt zu entfernen. So bleiben die übrigen Segmente für die Weiterverarbeitung erhalten.
Dies kann auch bedeuten, dass man einen langen, dünnen Streifen entlang der Länge der Stange genau über der Klinge anbringt, sodass der Spalt entlang dieser Linie verläuft. Dadurch wird sichergestellt, dass er beim Fassonieren entfernt wird.
Sollte eine Stange homogen in Farbe, Maserung, Form, Durchmesser und Reinlichkeit sein, kann diese beliebig und symmetrisch gespaltet werden.
Hinweis: Einige Fagottist:innen bevorzugen ebenso Rohrholz, das eine starke Maserung aufweist. Andere spalten nur mit Hinsicht auf den Durchmesser. Die hier aufgeführten Empfehlungen sollen als erste Orientierung dienen.
